Zwei Hälften des Lebens
Friedrich Hölderlin
Aus dem Leben und Werk des deutschen Dichters
»Hälfte des Lebens« heißt eines der bekanntesten Hölderlingedichte. Die zwei Hälften des Lebens des deutschen Lyrikers, der am 20. März 1770 geboren wurde, stehen unter verschiedenen Vorzeichen. Die erste Hälfte ist gekennzeichnet durch Schulzeit, Theologiestudium, Hauslehrertätigkeiten und eine etwa siebenjährige, schöpferische Dichterphase. Doch 1807 – da ist er 37 Jahre – wird Friedrich Hölderlin, dem man medizinisch »Wahnsinn« attestiert, als unheilbar krank aus einer Klinik entlassen. In Tübingen übernimmt die Familie des Tischlermeisters Zimmer seine Pflege in einem Turmzimmer. In diesem heute nach ihm benannten Hölderlinturm verbringt der Dichter »geisteskrank« die zweite Hälfte seines Lebens. Er stirbt am 07. Juni 1843 in Tübingen.
Hölderlin schuf Werke, die zu den erhabensten und anspruchsvollsten Dichtungen der deutschen Sprache gehören. Vieles im Leben und Werk Hölderlins war jedoch lange umstritten und ist bis heute nicht eindeutig erklärbar. Manchem galt er nur als junger romantischer Melancholiker und Nachahmer Schillers. Sein Werk stand außerhalb der großen Strömungen seiner Zeit, der Klassik und der Romantik. Auf ganz andere Art als die Klassiker fand Hölderlin bei den Griechen ein Vorbild für ideale Schönheit, aber auch Götternähe. Die Französische Revolution erschien ihm als entscheidende Zeitenwende.
Nach seinem Tod wurde Hölderlin nahezu ignoriert. Die Hölderlin-Renaissance begann erst später wieder mit Friedrich Nietzsche. Seitdem wird auch auf die Dichtungen ein Blick geworfen, die in der zweiten Hälfte seines Lebens, im Hölderlinturm, entstanden sind. Heute kann sein Werk unbestritten als ein Höhepunkt deutscher Dichtung gelten. Michael Helm erzählt bei der Lesung vom Leben des Dichters und liest aus dessen Werken.
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