Der Sternenhimmel im November

Kolumne von Frank Müller

Ich weiß nicht, ob Sie sich für Astronomie interessieren. Sie wissen schon, Sternkunde, nicht zu verwechseln mit Astrologie, das ist die Sache mit den Horoskopen, oder Gastronomie, das ist die Wissenschaft vom Auswärts Frühstücken.

Ich habe mich als Kind schon für die Sternbilder interessiert, und meine erste Sternkarte habe ich aus der Rückseite einer Cornflakes-Packung ausgeschnitten, womit wir wieder beim Frühstücken wären. Allerdings habe ich erst einmal gar nichts gesehen und ratlos abwechselnd auf die Karte und in den Himmel geguckt, bis Mama rief, ich soll endlich reinkommen und die Verandatür zumachen, und dann ab ins Bett. (weiterlesen …)

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Fragen Sie den Experten

Kolumne von Frank Müller

Verehrtes Publikum. Ich spreche zu Ihnen heute nicht als Literat, sondern als Literaturexperte. Ich finde, das bin ich Ihnen und diesem Rahmen schuldig. Autor oder gar Schriftsteller war mir zu profan. Außerdem ist Sonntag, und hier steht ein Mikrofon, und wenn man sonntags ein Mikrofon unter die Nase gehalten bekommt, wird einem viel Gehör geschenkt. Alltags sind zu viele wichtige Leute unterwegs, die einem die Schau stehlen. Sonntags kann man solche Sachen sagen wie: Über das Programm dieser Veranstaltung muss neu nachgedacht werden, und da darf es keine Denkverbote geben, denn was man denkt, das darf man auch aussprechen. Dieses Tabu muss einmal gebrochen werden. (weiterlesen …)

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Als Kriege noch Kriege hießen

Kolumne von Frank Müller

»Empörung ist für einen Politiker der schwerste Schritt, den er unternehmen kann, und der arabische Aufstand war ein so gewaltiges Hasardspiel, dass man über Erfolg oder Misslingen nichts voraussagen konnte. (Nach) dem Sieg kam eine trübe Zeit der Enttäuschung und darauf eine Nacht, in der die Kämpfenden erkennen mussten, dass alle ihre Hoffnungen sie im Stich gelassen hatten.« [1]

Ich hatte den Radiowecker auf drei Uhr morgens gestellt. Ich gierte nach Nachrichten; wir alle taten das. Die Invasion war für diesen Tag, diese Stunde angekündigt worden, und niemand von uns hatte Zweifel daran, dass sie stattfinden würde. Angst hatten wir, das war unser prägendes Gefühl: eine ungefähre, irrationale Angst, 4000 Kilometer von Kuwait City entfernt, unerreichbar durch die Scud-Raketen Saddam Husseins, der auf CNN nur noch »Crazy Saddam« genannt wurde. Unsere Köpfe konnten sich nicht an einen Krieg gewöhnen, in einer Zeit, in der Kriege noch Kriege genannt und zwischen Armeen geführt wurden.

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Thomas Bernhard

Eine Hommage und eine Erregung
von Frank Müller

Erstaunlich, wie alle Welt dieses Jahr den achtzigsten Geburtstag von Thomas Bernhard feiert, dachte ich, wie ich am Sonntag in meinem Lesesessel gesessen bin und noch einmal Bernhards Holzfällen angelesen habe, sein vielleicht bestes Buch, wie gesagt wird. Ich habe Bernhards Holzfällen ja schon vor mehr als zwanzig Jahren einmal gelesen, ich hatte es mir von meinem Studienfreund Jörg geliehen, als ich mein Studium in Bonn abzubrechen im Begriff gewesen bin, um es in Paderborn fortzusetzen, nicht ahnend, dass meine Studienzeit in Paderborn die furchtbarste sein würde und ich der völligen geistigen Verödung nur entkommen konnte mit der Hilfe meines alten Studienfreunds Jörg und der Bücher Thomas Bernhards. (weiterlesen …)

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Gedichte, die man sehen kann

Ein Interview mit dem Lyriker Hellmuth Opitz

Hellmuth_OpitzHellmuth Opitz wurde 1959 in Bielefeld geboren. Er studierte Philosophie und Germanistik in Münster. Seit 1982 veröffentlichte er verschiedene Lyrik- und Prosabände im Pendragon-Verlag in Bielefeld und ein Hörbuch bei Hoffmann & Campe.

 

Die Interviews mit Hellmuth Opitz wurden im Bielfelder Literaturradio »Literadium« ausgestrahlt. Die Interviews führte Michael Helm. (weiterlesen …)

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Laterne, Laterne, Süßes oder Saures

von Frank Müller

Als zugezogener Katholik gibt es in Bielefeld einige Besonderheiten zu beachten, von denen ich als Paderborner Landbrot nicht wusste, dass sie existieren könnten. Insbesondere betrifft dies den sogenannten Martinstag, den 11. November. Als Kind zog ich an diesem Tag mit einer Laterne durchs Dorf und hatte als Achtjähriger schon genug Sinn für Ästhetik, um zu wissen, dass selbst gebastelte Laternen aus Pappmaché meistens hässlich sind, genau wie solche mit elektrischer Beleuchtung, die kamen damals in Mode. (weiterlesen …)

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Manche mögen´s heiß

von Frank Müller

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde, dann den Menschen, und der erschuf den Grill. Das ist nicht die offizielle Version, aber es kann gar nicht anders gewesen sein, denn der erste Mensch war ein Mann, und ein Mann ohne Grill ist nicht vorstellbar. Ich kenne keinen Grund dafür. Wahrscheinlich teilen alle Männer ein Grill-Gen. Machen Sie mal den Selbstversuch und stellen einen Grill im Garten auf. Fünf Minuten später stehen fünf Männer drum herum und erzählen Ihnen, wie der am besten funktioniert. Oder übernehmen gleich selbst das Kommando. (weiterlesen …)

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Claude Simon

Zum Todestag des französischen Schriftstellers
am 06. Juli 2005

Ein Radiobeitrag von Michael Helm

Hörbar:   Claude_Simon [ogg-Datei | 4 MB]

Die Audiodateien liegen im Ogg-Vorbis-Format vor, das von den meisten Playern abgespielt werden kann (etwa ‘Windows Media Player’ ab Version 11 oder vom kostenlosen ‘Winamp’, externe Downloadmöglichkeit hier).


17. Mai 1940. Die drei letzten Überlebenden eines französischen Kavallerieschwadrons irren nach der verheerenden Schlacht mit einer deutschen Panzereinheit durch Flandern. Plötzlich das Aufflackern eines deutschen MGs: Das letzte Aufbäumen des Reiters an der Spitze. Das Pferd steigt in die Höhe und wie in einem Reflex gefangen, zieht der Rittmeister seinen Säbel und streckt ihn in den Himmel. 17. Mai 1940. (weiterlesen …)

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Der Name der Rose

von Frank Müller
 

Stat rosa pristina nomine, nomina nuda tenemus -
Die Rose von einst steht nur noch als Name, uns bleiben nur nackte Namen.

Mit sechzehn lag ich im Krankenhaus. Ich musste mich einer Augen-OP unterziehen. Das klingt schlimmer als es war, eigentlich eine harmlose Sache, vor der ich keine Angst hatte, sondern das Vertrauen desjenigen, der nicht weiß, was einem im Leben so alles passieren kann. Ich lag in meinem Bett, zählte die Pitzelchen in der Rauhfasertapete und wusste, ich würde unter der Narkose einschlafen und  beschwerdefrei wieder aufwachen. Die Sache war mir eher lästig, vor allem die Langeweile eines Krankenhauszimmers mit zwei unbelegten weiteren Betten. Handys und Laptops waren noch nicht erfunden, und so blieb mir zum Zeitvertreib nur ein Buch. (weiterlesen …)

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Essen 2010: Endlich herrscht Ruhr

von Frank Müller

Bekanntlich ist in diesem Jahr das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt, oder besser gesagt, Essen, stellvertretend für das Ruhrgebiet. Ganz verstanden habe ich diese Konstruktion noch nicht, ich wollte im Internet nachschlagen und googelte also die Stichworte "Ruhrgebiet" – "Essen" – "Kultur". Nur boshafte Zeitgenossen würden vermuten, dass man als Ergebnis zwölftausend Links zu Currywurstbuden bekommt. Das ist ja auch gar nicht wahr und nur eines von ebenso vielen Ruhrpottklischees, obwohl Herbert Grönemeyer über die Currywurst im gleichen Atemzug genuschelt hat wie über seine Heimat Bochum, aus der er kommt und an der er hängt, und Grönemeyer wird schließlich geschätzt als Verkünder unzweifelhafter seelischer Befindlichkeiten. (weiterlesen …)

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Das Licht im Werk Albert Camus´

»Zu gewissen Stunden ist das Land schwarz vor lauter Sonne«
Ein Essay von Michael Helm

»So sehen wir nur, wie ein angespannter Körper sich anstrengt, den gewaltigen Stein anzuheben, ihn hinaufzuwälzen und mit ihm wieder und wieder einen Hang zu erklimmen. Wir sehen das Gesicht, die Wange, die sich an den Stein presst (…). Und nun sieht Sisyphos, wie der Stein innerhalb weniger Augenblicke in jene niedere Welt hinabrollt, aus der er ihn wieder hoch auf den Gipfel wälzen muss.«  (weiterlesen …)

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Lesegenuss in vollen Zügen

von Frank Müller

„Ich hasse das Reisen“ – so beginnt ein bekanntes Buch von Claude Lévi-Strauss. Ich habe es nicht gelesen und weiss deshalb nicht, wie Herr Strauss zu seinem Urteil gekommen ist. Vielleicht ist er viel mit der deutschen Bahn gefahren. Ein Regionalexpress hätte reichlich Stoff für seine ethnologischen Studien geboten, ich hätte ihm den RE 4331 von Düsseldorf nach Bielefeld empfohlen, der am Samstag Nachmittag die Fussballfans nach Hause fährt. Gefährlicher als eine Dschungelexpedition ist das auch nicht, und man lernt die Sitten, Bräuche und Gesänge anderer Völker kennen. (weiterlesen …)

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Die Bielefeld-Kolumne

von Frank Müller

Wenn man schreibt und in Bielefeld wohnt, ist es nahezu unvermeidlich, dass man irgendwann über Bielefeld schreibt, die Stadt ohne Eigenschaften. So wird sie jedenfalls von aussen gesehen, von Unwissenden, die sich über Bielefeld nur lustig machen, vor allem wenn sie aus völlig überschätzten Metropolen wie Berlin oder aus München kommen. (weiterlesen …)

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Ein Museum ohne Ausgang

Ein Gang durch das Nussbaum Museum in Osnabrück
Ein Radiobeitrag von Michael Helm

Eine Metallbrücke zerschneidet den hoch aufragenden, länglichen Betonbau des Nussbaum-Museums und zerteilt den schmalen, quaderartigen Bau in zwei sehr ungleiche Teile: rechts der Brücke verbleibt ein hoher Turm wie abgeschnitten vom restlichen Bau. Ich betrete ihn: Leere, Dunkelheit. Ich komme mir verloren vor. Ein unangenehmes Gefühl der Einsamkeit und Enge. Von der Metallbrücke aus nach links zu gehen bedeutet, das Museum durch eine schwergängige Metalltür zu betreten. Man findet hier einen kleinen Hinweis: Museumseingang. Doch auch Besucher, die das Nussbaum-Museum verlassen, kommen mir an dieser Tür entgegen. Der Architekt Daniel Libeskind nannte den Bau »Museum ohne Ausgang«. (weiterlesen …)

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FREUDTIONARY

Die tiefere Bedeutung von deutschen »Rechtschreifehlern« in E-Mails
von Guntbert Markefka

Rechtschreifehler
Rechtschreibfehler, die einen großen Aufschrei und Empörung verursachen.

Emil
Aus der Mode gekommener, männlicher deutscher Vorname, der heute oft mit E-Mail vertauscht wird z. B.  E-Mail Müller "Hey, E-Mail, komm mal her!" (weiterlesen …)

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